Die Bioenergie Wiesmühle
Fakt ist: Wir müssen konsequent weg von fossilen Brennstoffen. Zukunftssicherheit bietet nur eine CO₂-neutrale Erzeugung der Wärme. Bei einem ersten Anlauf 2011 scheiterte die Initiative für eine Nahwärmelösung im Glonner Süden mangels Interesse. 2021 – unter geänderten Vorzeichen – packte der Aktionskreis Energiewende Glonn 2020 e.V. (AEG) das Thema erneut an und diesmal sollte ein großer Baustein zur Wärmewende im Glonner Süden gelingen!
Den Anstoß gaben einige Bürgerinnen und Bürger, die ihre Ölheizungen ersetzen wollten und dafür eine zukunftsfähige Lösung suchten. In Glonn gab es bereits Nahwärme, jedoch war der Glonner Süden nicht eingebunden. Ziel der Initiative des AEGs war es daher, 100 Haushalte für ein regenerativ betriebenes Nahwärmenetz zu gewinnen - von der Kupferbachsiedlung rund um Schmiedberg über die Mattenhofener Siedlung und die Wiesmühle bis hinab zur abgelegenen Waldsiedlung. Klar war, es würde nur umsetzbar sein, wenn eine große Anzahl der Haushalte mitmacht. Würde das gelingen, noch dazu in der Coronazeit mit großen Restriktionen, sich zu treffen und Versammlungen durchzuführen? Eine Fragebogenaktion Anfang 2021 gab den Startschuss für einen Neustart: Das Interesse potenzieller Anschlussnehmer:innen erwies sich ausreichend groß.
Erfolgsfaktoren: Mutige Unternehmerfamilie, Partnerschaft mit Engagement und Kompetenz sowie Fördermittel vom Bund
So erfolgreich die Aktiven des Arbeitskreises Energiewende Glonn im ersten Ansatz waren, so war doch auch klar: Ohne ein Unternehmen, das das Wagnis eines so großen Projekts auf sich nimmt, wäre das Nahwärmenetz nicht realisierbar. Was für ein Glück, dass die Familie Pongratz als Umsetzer in das Projekt einstieg: Seit über 30 Jahren versorgt der alteingesessene Glonner Familienbetrieb sich und einige Nachbarhäuser bereits mit Nahwärme, die aus Holzabfällen des Sägewerks, Holzhackschnitzeln und regional zugekaufter Hackschnitzel erzeugt wird. Günstige Ausgangslage war: ausreichend Raum für eine Heizzentrale und ein Grundstock an regenerativem Strom durch zwei eigene Wasserstromanlagen, „Wiesmühle“ und „Waldstrom“ (Energie-Lehrpfad Glonn). Die Partnerschaft aus den engagierten Fachleuten des AEG und dem mutigen Familienbetrieb brachte das Projekt kontinuierlich voran. Im gleichen Jahr folgte noch die detaillierte Erhebung des Wärmebedarfs, eine Vorplanung durch die Firma Enerpipe, parallel dazu die fortlaufende Information der Interessierten und schließlich die Unterzeichnung einer ausreichenden Zahl an Absichtserklärungen für einen Anschluss.
Erfolgsfaktoren waren – zum Teil im Freien abgehaltene - Infoabende, Exkursionen zu Haushalten, die bereits Nahwärmeanschlüsse hatten, kontinuierliche Newsletter zu aktuellen Entwicklungen und – besonders wichtig - viele individuelle Gespräche und Hausbesuche. „Wärmenetz geht nur gemeinsam“, das war das Credo vom AEG-Vorsitzenden Hans Gröbmayr, der Hauptansprechpartner und Organisator war. Weiterer Erfolgsfaktor war die Bundesförderung: In kurzer Zeit wurden erfolgreich 83 Förderanträge gestellt. Auch dazu gab es eine Infoveranstaltung und bei Bedarf konnten sich Antragsteller fachkundige Hilfe beim AEG holen. Am Ende erhalten 100 Prozent der Anschlussnehmer:innen die Bundesförderung in Höhe von 45 Prozent für Anschlusskosten sowie alle anfallenden Umbauarbeiten im Heizungskeller.
Die Suche nach der besten Lösung
Eine Machbarkeitsstudie zeigte die besten Lösungen auf. Es folgten detaillierte Planungen und sehr viele Entscheidungen. Der Ansatz aus der Studie zur Entnahme von Umweltwärme aus dem Kupferbach für eine Wärmepumpe musste wieder verworfen werden: Eigene Temperaturmessungen des AEG zeigten, dass das Wasser im Winter für eine Wärmeentnahme zu kalt ist. Die Kombination aus „Hackschnitzel plus Wärmepumpe“, mit Hackschnitzeln aus eigener Produktion der Wiesmühle und Stromerzeugung durch PV und Wasserkraft, erwies sich als wirtschaftlichster Ansatz. Besondere Vorteile brachte der innovative Ansatz eines intelligenten Nahwärmenetzes mit drei getrennt ansteuerbaren Strängen und Pufferspeichern in allen angeschlossenen Haushalten. Dadurch konnten die Wärmeerzeuger kleiner dimensioniert und die Laufzeiten der Pumpen und somit Wärmeverluste im Netz minimiert werden.
Während der Planungs- und Genehmigungsphase von 2021 bis Juni 2023 waren die Energiewendler des AEG intensiv eingebunden. Mit Beginn des ersten Bauabschnittes mit Hackschnitzelheizkesseln, Hackschnitzellager und Fernwärmenetz lag dann die große Last und die Verantwortung bei Familie Pongratz. Der ambitionierte Zeitplan der Bauphase konnte nur eingehalten werden, weil alle beteiligten Firmen und Handwerker mit großem Einsatz hervorragende Arbeit geleistet haben ‒ bei Tag und Nacht, Sonne und Regen.
Am 27. September konnte schließlich das Einweihungsfest mit allen Anschlussnehmer:innen, den Planern, Handwerkern, den Aktiven des AEG und mit dem Segen von Diakon Matthias Holzbauer stattfinden.
Fazit: „So a Nahwärmeprojekt geht nur, wenn die Leut zsammhalten.“
Vorbild für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Der erfolgsbestimmende Faktor bei der so notwendigen Transformation von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energiequellen ist: Wir müssen die Menschen sensibilisieren, umfassend und faktenbasiert aufklären, zum Mitmachen gewinnen und durch den Prozess begleiten und einen jedem die Hilfestellung geben, die benötigt wird. Das alles basiert auf einem Vertrauensverhältnis, das sich die begleitenden Experten durch Verlässlichkeit, Erreichbarkeit und Fachkenntnisse erwerben müssen. All das ist im zweiten Anlauf für ein Nahwärmenetz im Süden Glonns mit ausschließlich regenerativen Wärmequellen gelungen. Erreicht wurde dies durch den Einsatz und das Engagement des Beraterteams des Aktionskreises Energiewende Glonn 2020 e.V., kurz AEG Glonn.
Der AEG setzt darauf, über verschiedene Formate wie die Zukunftsthemen Stammtische über aktuelle Energiewende- und Klimaschutzthemen zu informieren, Interesse zu wecken und die Diskussion in der Gesellschaft zu begleiten. Seit 2024 organisiert und betreibt der AEG auch ein Repair Café in Glonn.
Das Projekt geht weiter
Noch steht die Erweiterungsstufe aus. Denn in einem zweiten Bauabschnitt sollen die beiden Hackschnitzelkessel in der Heizzentrale noch mit einer großen Wärmepumpe ergänzt werden. Für die optimale Auslegung der Erweiterung, bei der auch die Stromversorgung mittels Photovoltaik und ggf. eine kombinierte Strom-Wärmeerzeugung mittels PVT-Modulen (Photovoltaisch-thermische Sonnenkollektoren) einbezogen werden soll, werden die Daten des ersten Betriebsjahres zugrunde gelegt. Ziel ist es, die in den Sommermonaten benötigte Wärme allein über diese Erweiterung zu erzeugen. Und schließlich können die kommenden Jahre noch etwa 30 weitere Haushalte angeschlossen werden und von der klimafreundlichen Wärme profitieren.
Kontakt:
Josef Pongratz
Reisenthalstraße 21
85625 Glonn
Tel. 08093 5242
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